Hypnosetherapie

Hypnotherapie: wie es funktioniert und was sie leistet.
Dargestellt an einem praktischen Beispiel

Die Hypnotherapie ist zunächst einmal klar zu unterscheiden von der Showhypnose, die man aus dem Fernsehen oder anderen Unterhaltungsmedien kennt.

Zuerst kommt die Entspannung

Die Hypnose, oder der Zustand der Trance, beruht auf Grundlage einer Entspannungsübung, bei der die Kontrolle des präfrontalen Kortex vermindert wird. Der präfrontale Kortex ist, vereinfacht ausgedrückt, der Teil des Gehirns, der sich hinter der Stirn verbirgt. Diesem Teil wird der Sitz der Vernunft, des Gewissens und des Verstandes zugewiesen. In Wirklichkeit jedoch ist bei all diesen Prozessen des Nachdenkens, der Beurteilung und Bewertung und des Entscheidens das gesamte Hirn mit im Spiel.
Im Kollektivwissen sind diese Tatsachen längst bekannt und drücken sich aus in Redewendungen wie ‚wenn man zur Vernunft kommt‘, ‚wenn sich das Gewissen meldet‘ oder ‚wenn man bei klarem Verstand ist‘.
Sie alle beinhalten die Elemente der Distanz, der Reflexion und der Bewertung als Teil z.B. von Entscheidungsfindungen.

Und so läuft es ab

In einem intensiven Vorgespräch, der Anamnese, wird festgestellt, ob der Klient in der Lage und willens ist, einen solchen Prozess zu durchlaufen. Sicherzustellen ist, dass durch den Hausarzt organisch alles abgeklärt ist und dass keine bestimmten Vorerkrankungen vorliegen. Eine Kontraindikation wäre z.B. eine Störung aus dem schizoiden Formenkreis, die medikamentös behandelt wird.

In einem zweiten Schritt wird eruiert und definiert, was das eigentliche Problem ist, das es zu therapieren gilt. Oft geht es nicht nur um ein einzelnes Symptom, sondern um ein Symptomkomplex oder Symptomcluster, also ein Syndrom.
Bei mehreren Symptomen muss geklärt werden, in welcher Reihenfolge die Einzelsymptome bearbeitet werden sollen. Es wird in Überein- und Zustimmung mit dem Klienten eine Hierarchisierung oder Priorisierung erstellt. Diese kann beginnen mit dem schwersten oder dem leichtesten Symptom, das zusammen mit den anderen Symptomen den Leidensdruck erzeugt. Das hört sich nach einer Langzeittherapie an. Oft jedoch kann es geschehen, dass wenn erstmal das erste Symptom bearbeitet ist, die anderen sich, wie von Wunder, quasi selbst auflösen.

Die einzelnen Schritte

Sind die Voraussetzungen erfüllt, kann man über eine Atemübung, mit entsprechender Musik und einer verbalen Induktion die Trance herbeiführen.
Es wird ein sogenannter ‚sicherer Ort‘ etabliert, d.h. eine Zeit, ein Ort oder eine Person, wo sich der Klient sicher und geborgen fühlt. Das kann etwas Reales oder auch in der Entspannung etwas Fantasiertes sein. Für den Klienten ist nun die innere Realität von gleicher Bedeutung wie die äußere.

Zu betonen ist aber, dass der Klient jederzeit die Kontrolle über sich und die Situation, in der er sich befindet, behält. Es kann nichts suggeriert werden, was z.B. nicht dem sittlichen, moralischen oder religiösen Empfinden des Klienten entspricht. Das Unterbewusstsein nimmt nur das wahr, was das Wohlbefinden des Klienten fördert.

Der Klient wird nun Schritt für Schritt und mit größter Vorsicht in eine innere Wirklichkeit geführt, in der er sich die Situation oder das Phänomen vorstellt, was Teil des Leidensdruckes ist. Die Suggestion ist, dass er sich selbst in dieser Situation beobachtet und die entsprechenden Gefühle in sich aufsteigen lässt. Er soll sie mit allen Sinnen wahrnehmen. Er soll sich umschauen und schildern, was er sieht, hört, riecht, schmeckt und berühren kann. Es ist also eine Konfrontation mit dem Unerwünschten, dem Abgelehnten, eine Konfrontation, die in der Realität oftmals nicht zu vermeiden ist. Der Klient kann mit dem Therapeuten klar kommunizieren oder aber auch lediglich auf Ja-Nein-Fragen des Therapeuten mit Kopfnicken und Kopfschütteln reagieren. Man nennt dies ‚im Rapport bleiben‘.

Der Klient beobachtet sich selbst

Der Klient befindet sich nun in einer Doppelrolle. Er ist Handelnder in der imaginierten Situation und gleichzeitig sein eigener Beobachter.
Die Suggestion, die jetzt einsetzt, macht den Beobachter zum Regisseur der von ihm beobachteten Szene. Der Beobachter soll sich nun vorstellen, er sehe einen Film oder er sei auf einer Bühne der Regisseur. Es soll nun von einem bestimmten Punkt der Szene sie so umgestalten, dass ‚das Stück‘ so abläuft, wie es ihm gut tut. Es muss nicht beim ersten Mal gelingen, Wiederholungen sind notwendig. Letztlich gelingt es doch, wenn zuvor in Vorgespräch, Anamnese und dem gesprächstherapeutischen Teil die Klienten-Therapeuten Beziehung vertrauensvoll gestaltet wurde.

Nun erfährt der Klient sich selbst als selbstwirksam, er gewinnt die Kontrolle über seine Situation, er gewinn Distanz und Einfluss auf sich selbst und das Setting, in dem er sich befindet. Diese imaginierte Realität, diese innere Wirklichkeit ist für den Klienten gleichbedeutend mit einer realen Erfahrung. Er wächst über seine bisher festgefügt geglaubten Grenzen hinaus und erfährt und erlebt, dass es auch anders gehen kann, dass er auch anders handeln kann. Es gibt Optionen.
Alte destruktive Überzeugungen und toxische Selbstbilder können so abgebaut und durch neue positive und motivierende Denk- und Verhaltensweisen ersetzt werden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Im folgenden Beispiel versuche ich kurz eine Szene zu kreieren, die es am praktischen Beispiel verdeutlichen soll.
Angenommen es gibt einen cholerischen, unbeherrschten und jähzornigen Chef, der sich selbst für den größten aller Bosse hält, und, wie kürzlich in der Presse zu lesen war, in einem seiner nicht seltenen Wutausbrüchen, mit Gegenständen nach Untergebenen schmeißt. Und weiterhin angenommen, die Arbeit als solche macht Spaß, die Kollegen sind in Ordnung und ein sofortiger Wechsel des Arbeitsplatzes ist nicht möglich. Jeden Morgen geht man mit Angst und Beklemmung zu seinem Job. Stress pur.

Wie kann Hypnotherapie hier helfen?

Um gleich auf den Kern des Therapieprozesses einzugehen, kann man wie folgt vorgehen. Organische Abklärung, Einführungsgespräch und eine vertrauensvolle Therapeuten-Klienten-Beziehung sind hergestellt und der Klient befindet sich bereits in der Trance. Der Therapeut bittet nun den Klienten, sich an eine ihm unangenehme Situation zu erinnern und in sie einzutauchen, sie mit allen Sinnen wahrzunehmen und seine Gefühle dabei zu beobachten, sie vielleicht sogar im eigenen Körper zu lokalisieren. Dies wird dann vom Therapeuten unterbrochen, denn der Klient soll sich dies nun erneut als Film oder Bühnenstück vorstellen, wobei der die Hauptperson ist und gleichzeitig sein eigener Beobachter als Regisseur. Nun gibt der Regisseur die Anweisung, wie es anders, nach seinen Vorstellungen abzulaufen hat.
Dies kann schwierig sein für den Klienten, aber von Wiederholung zu Wiederholung fällt es ihm erfahrungsgemäß leichter. Er tritt in der Imagination nun seinem Chef gegenüber und setzt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.
Das heißt jetzt nicht, dass der Klient am nächsten Morgen an den Arbeitsplatz stürmt und dem Chef die Leviten liest. Der Klient ist aufgefordert, sich das, was er in der Trance erfahren und erlebt hat, wiederholt vor seinem inneren Auge ablaufen zu lassen.

Die Rolle der psychologischen Begleitung

In einer begleitenden Gesprächstherapie wird lösungs- und ressourcenorientiert am Selbstwertgefühl und an der Selbstermächtigung des Klienten gearbeitet, sodass er entweder sich nach einiger Zeit in der Lage sieht, dem Chef in einer Konfrontation die Grenzen aufzuzeigen, oder sich bereit fühlt, den Job zu wechseln.
Beide Möglichkeiten stellen eine Lösung dar. Aber, es braucht Kraft und Zeit.
Mit Hilfe eines geeigneten Therapeuten können die Kraft gestärkt und die Zeit verkürzt werden.

Walter Lenz, Ph.D. / HP psy.
Praxis für Psychologie
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