Depression oder Burnout – das ist oft die Frage

Man fühlt sich niedergeschlagen, antriebslos, schlecht gelaunt und total erschöpft. Manchmal geht es soweit, dass man nicht einmal mehr die Kraft findet, morgens aus dem Bett zusteigen. Der Kopf sagt klar und deutlich, du musst. Geist und Psyche aber sagen, du kannst nicht, das schaffst du nicht.Leiden in schwierigen Zeiten

Die Unterschiede

Während beim Burnout der Schwerpunkt auf der unter Umständen totalen Erschöpfung liegt, zeigen sich die Symptome der Depression, um die es hier gehen soll, doch etwas anders.
Bei einer Depression ist der ganze Mensch betroffen, also Körper, Geist und Seele. Und es geht auch um den Zeitraum. Beide, Depression und Burnout, lassen sich oft oder gar zumeist nicht klar voneinander abgrenzen. Symptome der Depression sind selbstzerstörerische Selbstzweifel, Grübeln in negativen Gedankenspiralen, mangelnde Freude und eine nicht mehr überbrückbare Spannung zwischen innerer Unruhe und erheblicher Antriebsminderung.

Ein konkreter Fall

So kann es geschehen, wie im vorliegenden Fall aus meiner Praxis, dass eine alleinerziehende Mutter, anfangs Vierzig, eines morgens nicht mehr in der Lage ist, das Bett zu verlassen, um die Kinder für ihren Schultag zu versorgen. Sie liegt heulend im Bett, weiß, was sie eigentlich zu tun hätte, sieht sich aber nicht fähig dazu. Was bisher Routine war, ist jetzt eine nicht mehr lösbare Aufgabe. Schlechtes Gewissen und Selbstzweifel und Verzweiflung an der Situation sind die Folgen. Alles Grübeln über warum und wieso treibt die Frau nur noch tiefer in das schwarze Loch der Depression.

Was kann die Ursache sein

Mögliche Ursachen gibt es viele. Erst ein intensives Gespräch (Anamnese) zu Leben und Werden der Betroffenen, deren aktuelle familiäre, soziale und berufliche Situation, sowie die Familiengeschichte fördern unter Umständen erste Erklärungsmuster über die Entstehung und Entwicklung der Beeinträchtigung zu Tage. Außerdem ist eine hausärztlich-internistische sowie fachärztliche Abklärung unbedingt notwendig, bevor eine Psychotherapie beginnen kann.
Genetische Veranlagung, Spätfolgen eines Traumas, als eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine dauerhafte Enttäuschung im Lebensverlauf können Ursache, Folgen oder Begleitsymptome sein. Oft bewegt sich der Therapeut oder die Therapeutin bei der Ursachenforschung im Kreis. Und diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.

Antidepressiva sind keine Allheilmittel

Aber sie sind die erste Hilfe.
In der Regel erfolgt die Gabe eines Antidepressivums mit dem Ziel, dem Patienten zur Krankheitseinsicht und Therapiewilligkeit zu verhelfen. Weitere therapeutische Maßnahmen sind die Psychoedukation, das heißt, den Patienten darüber aufzuklären, womit er es zu tun hat. Damit gewinnt er wieder allmählich Kontrolle über seinen Alltag und sein Leben allgemein. Er lernt, mit der Depression zu leben, sie zu beherrschen, anstatt sich von ihr beherrschen zu lassen. Der engste soziale Kreis wird in die Therapiegespräche und Maßnahmen mit einbezogen, um somit eine Stabilisierung auch von außen zu erreichen. Körperliche und geistige Aktivitäten unterstützen sowohl Medikation als auch psychotherapeutischen Maßnahmen.

Dringender Hinweis

Wenn Sie sich in einem oder einigen der oben geschilderten Symptome wiederfinden, bitte suchen Sie unbedingt fachliche Hilfe. Insbesondere dann, wenn Sie bei sich einen gesteigerten und sich steigernden Konsum von Alkohol oder anderen Drogen feststellen oder gar wiederholt Gedanken aus dem Leben scheiden zu wollen, Ihr Denken beherrscht.

Die Betroffenen

Beim Burnout sind es der Statistik nach vor allem Männer zwischen 30 und 50 Jahren, die als die sogenannten Leistungsträger gelten. Die Erfahrung aus der Praxis lehrt uns aber etwas anderes. Immer mehr alleinerziehende und gleichzeitig berufstätige Mütter suchen nach fachlicher Hilfe, wenn es um Symptome von Depression und Burnout geht.
Es sind immer mehr die stillen Leistungsträger, also diejenigen, die aus ihrer täglichen Belastung und Überforderung kein großes Aufhebens machen. Es sind die, die in aller Stille den sich steigernden Forderungen nach Anpassung und Unterordnung im Beruflichen wie im Privaten gerecht werden müssen. Während die lauten Leistungsträger ihre vermeintlichen Erfolge in Quartalsberichten wie Trophäen vor sich hertragen, um irgendwann erschöpft zwischen ihren Trophäen zu Boden gehen, halten die Stillen und Leisen ihr System unter Aufwendung aller Kräfte solange wie möglich am Laufen, bis es schlussendlich nicht mehr geht. Zu lange waren sie im Netz beruflicher, finanzieller, sozialer und familiärer Zwange gefangen. Sie haben den Überblick verloren.
Ein Blick von außen, z.B. eines Psychologischen Beraters, lässt die Dinge nach einigen Sitzungen wieder klarer erscheinen. Man gewinnt über den Überblick einen Einblick und damit wieder zunehmend Kontrolle über seine Situation und sein Leben.

Gespräche helfen

Die Gegenwart wird geprägt durch die Erfahrungen und Erlebnissen aus der Vergangenheit und den Belastungen und Herausforderungen der Gegenwart. Die Geschichte der Herkunftsfamilien sowie die Bedingungen der augenblicklichen Kernfamilie bedingen sich gegenseitig und wirken nicht nur auf die Erwachsenen sondern auch auf die Kinder ein. Die Widerstandskraft der Kinder, die sogenannte Resilienz, kann sich nur schwer oder gar nicht gesund entwickeln, wenn die familiengeschichtlichen und aktuell-familiären Bedingungen es nicht zulassen. Kinder und Erwachsene entwickeln eine größere Anfälligkeit sowohl was das Verhalten, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit betrifft, als auch das individuelle Immunsystem. Psychosomatische Auffälligkeiten sind an der Tagesordnung.

Enttäuschung, Frustration und Depression

Wünsche und Hoffnungen für das eigene Leben werden enttäuscht oder stellen sich als Illusionen heraus. Der Mensch ist frustriert und fühlt sich hilflos den Bedingungen gegenüber. Er fühlt sich als Opfer. Die Kette Enttäuschung, die Frustration gebiert, die Frustration, die Depression bedingt und fördert, die damit verbundene ständige Überforderung, den Alltag zu bewältigen führt letztlich zum Burnout. Der Teufelskreis, der dann entsteht, wenn nicht rechtzeitig Hilfe und Unterstützung gesucht worden ist.

Der Teufelskreis lässt sich nicht ungeschehen machen. Man kann aber lernen, damit umzugehen und die Kraft wieder finden, seine Situation zu verändern.

Der Psychologische Berater oder der Therapeut Ihres Vertrauens kann Ihnen dabei helfen. Je früher, desto besser.

Walter Lenz, Ph.D. /M.Ed. /HP psy.
Praxis für Psychologie
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